Digitale Sicherheit im Krankenhaus neu denken: Die Managementdimension von NIS-2

Beitrag von Karlheinz Breit und Gerald Götz - Kompetenzfeldleiter Technologiemanagement (11.05.2026)

Cybervorfälle sind im Krankenhaus längst kein Randthema der IT mehr. Sie betreffen kritische Versorgungsprozesse, vernetzte Medizintechnologie, klinische Informationssysteme, digitale Dokumentation sowie alle Schnittstellen zu Industriepartnern und externen Dienstleistern. Je stärker Krankenhäuser die medizinische Versorgung digitalisiert und industrialisiert haben, desto unmittelbarer wirken sich Sicherheitsvorfälle auf Funktionsfähigkeit, Kapazität, Versorgungsqualität und Patientensicherheit aus.

NIS-2 im Krankenhaus: Neue regulatorische Anforderungen für Cybersicherheit

Mit der NIS-2-Richtlinie der EU wurde der Rahmen für ein hohes gemeinsames Sicherheitsniveau von Netz- und Informationssystemen deutlich weiterentwickelt. Betroffen sind insbesondere Krankenhäuser, deren Ausfall erhebliche Folgen für die medizinische Versorgung der Bevölkerung hätten und als Kritische Infrastrukturen (KRITIS) bereits beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) registriert wurden. 

Gleichzeitig erweitert NIS-2 den Anwendungsbereich deutlich: Auch Krankenhäuser, die als „besonders wichtige Einrichtungen“ gelten, unterliegen künftig umfassenden Anforderungen.

Mit dem Inkrafttreten von NIS-2 gehören fast alle Krankenhäuser in Deutschland zu diesen besonders wichtigen Einrichtungen.

Warum Cybersicherheit jetzt auf der Agenda jeder Krankenhausleitung stehen muss

Nicht jedes Krankenhaus ist automatisch KRITIS-Betreiber. Dennoch bewegen sich viele Häuser in einem Umfeld, das durch KRITIS-Kriterien, hohe Verfügbarkeitsanforderungen und steigende regulatorische Erwartungen geprägt ist. Die Abgrenzung Kritischer Infrastrukturen erfolgt über das BSI-Gesetz des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die KRITIS-Verordnung. Krankenhäuser sind verpflichtet, jährlich zu prüfen, ob relevante Schwellenwerte überschritten werden und somit eine Einstufung als KRITIS erfolgt.

Für KRITIS-Krankenhäuser bedeutet das: IT-Sicherheit muss strukturiert gesteuert, nachweisbar umgesetzt und entlang komplexer technologischer Lieferketten abgesichert sein.

Diese Krankenhäuser müssen ihre IT-Sicherheit so aufstellen, dass sie auditfähig sind und auch unter Störbedingungen handlungsfähig bleiben. Dies ist keine regulatorische Formalität, sondern eine zentrale Voraussetzung für Versorgungssicherheit und Resilienz im Krankenhaus.

Drei zentrale Handlungsfelder für IT-Sicherheit im Krankenhaus

NIS-2 betont die IT-Sicherheit im Regelbetrieb. In der Praxis sind dazu drei Veränderungen entscheidend.

  • Nachweisbare Risikosteuerung statt Einzelmaßnahmen

    Technische Verbesserungen sind notwendig, aber nicht ausreichend. Erwartet wird ein systematisches Risikomanagement, das Risiken bewertet, Maßnahmen priorisiert, deren Wirksamkeit überprüft und kontinuierlich weiterentwickelt. IT-Sicherheit wird damit zur integralen Managementaufgabe auf Leitungsebene.

  • Reaktions- und Meldefähigkeit mit klar definierten Prozessen

    Meldeprozesse müssen nicht nur existieren, sondern auch unter realen Störbedingungen funktionieren. Dies gilt insbesondere dann, wenn Teile der Leistungserbringung oder Betriebsinformationen bei externen Dienstleistern oder Herstellern liegen. Das BSI stellt hierzu konkrete Anforderungen und Leitlinien zur NIS-2-Meldepflicht bereit.

  • Lieferkette und Partner werden Teil der Sicherheitsarchitektur

    Herstellerzugänge, Wartungsleistungen, Cloud-Dienste, Rechenzentrumsbetrieb sowie integrierte Medizintechnik und IT-Architekturen erweitern die Angriffsfläche erheblich. NIS-2 fordert daher explizit ein durchgängiges Sicherheitsniveau entlang der gesamten digitalen Lieferkette. Dies führt in der Praxis zu neuen Anforderungen an die Steuerung und Absicherung von Technologiepartnerschaften im Krankenhaus.

 

ZEQ-Beratung für Cybersicherheit im Krankenhaus

Das Technologiemanagement-Team von ZEQ unterstützt Sie als Krankenhaus herstellerneutral und mit langjähriger operativer Erfahrung entlang der gesamten Wertschöpfungskette der IT-Sicherheit. Dies umfasst:

  • Risikoanalysen und Reifegradbewertungen
  • Aufbau von Governance- und Steuerungsstrukturen
  • Transparenz und Steuerung von Lieferketten und Technologiepartnern
  • Implementierung eines nachweisfähigen Informationssicherheits-Managementsystems (ISMS)
  • Integration und Bewertung moderner Sicherheitstechnologien

Ziel ist es, Cybersicherheit im Krankenhaus nicht nur regulatorisch compliant, sondern nachhaltig wirksam und steuerbar zu gestalten.

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