Mitarbeiterbefragung im Krankenhaus: Warum sie oft scheitert – und wie sie Wirkung entfaltet

Beitrag von Dr. Katrin Wessolowski - Senior Consultant (23.04.2026)

„Bitte nicht schon wieder eine Mitarbeiterbefragung!“

Dieser Satz könnte von der Geschäftsführung stammen, welche vom Qualitätsmanagement (QM) zu einem Besprechungstermin eingeladen wird. 

Dieser Satz könnte auch von den Mitarbeitenden selbst stammen, denn sie wissen: Es passiert ja eh nichts im Anschluss an die Befragung. 

Oder der Satz kommt von den QM-Beauftragten selbst, die neben ihren vielen anderen Projekten gar nicht wissen, wie sie das zusätzlich auch noch stemmen sollen. 

Wie Mitarbeiterbefragungen im Krankenhaus oft scheitern

Lassen Sie uns zunächst schauen, was Sie tun sollten, um eine Mitarbeiterbefragung garantiert in den Sand zu setzen. Bitte setzten Sie die folgenden Punkte unbedingt um, gerne in der genannten Reihenfolge:

  • Stellen Sie komplizierte oder suggestive Fragen, Doppelfragen oder fragen Sie nach irrelevanten Aspekten.
  • Organisieren Sie die Befragung so, dass die Antworten auf keinen Fall anonym sind und auf einzelne Mitarbeitende zurückzuführen sind.
  • Machen Sie im Nachgang der Befragung nichts, wirklich gar nichts mit den Befragungsergebnissen. Und kommunizieren Sie auf keinen Fall die Ergebnisse 

Danach sind Sie das „Problem“ Mitarbeiterbefragung für einige Zeit los. 

Mitarbeiterbefragung als Steuerungsinstrument im Krankenhaus

Doch was, wenn Sie wirklich mal eine Rückmeldung brauchen? Ein Stimmungsbild als Entscheidungsgrundlage? Verbesserungsvorschläge oder gar Mitwirkung bei Veränderungen? Dann empfehlen wir Ihnen die obige Strategie nicht!

Gehen wir davon aus, dass Sie Ihre Mitarbeiterbefragung im Krankenhaus gezielt als Steuerungsinstrument nutzen möchten. Sie möchten wissen, welche Themen im Moment relevant sind, nicht nur übergreifend, sondern für einzelne Standorte, Abteilungen oder Berufsgruppen. Sie möchten wissen, ob Ergebnisse bedeutsam sind, welche Themen dringend sind und Sie möchten tatsächlich gemeinsam etwas verändern, um Mitarbeitende nicht nur zu gewinnen, sondern sie auch langfristig zu binden. 

Dann ist die folgende Checkliste für Sie.

Checkliste: Erfolgreiche Mitarbeiterbefragung im Krankenhaus

  • Konzipieren Sie einen übersichtlichen Fragebogen mit (strategisch) relevanten Themen sowie präzisen und verständlichen Fragen.
  • Wählen Sie nur Themen aus, bei denen Sie bereit und in der Lage sind, Veränderungen einzuleiten.   
  • Legen Sie eine plausible Einteilung der Organisationseinheiten fest, damit sich jeder Mitarbeitende leicht und eindeutig zuordnen kann.
  • Gewährleisten Sie eine anonyme Erhebung und Auswertung.
  • Analysieren Sie die Ergebnisse zeitnah und fokussiert auf die wirklich wichtigsten und dringendsten Themenfelder.
  • Betrachten Sie die Ergebnisse auf allen Ebenen: Gesamtorganisation, Standort, Abteilung, Station und Team.
  • Kommunizieren Sie die Ergebnisse transparent und verständlich und laden Sie zur Beteiligung ein.
  • Leiten Sie gemeinsam mit den Führungskräften auf allen Ebenen kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen ab.
  • Setzen Sie die festgelegten Maßnahmen verbindlich um und machen Sie Fortschritte sichtbar. 

Praxisbeispiel: Wie Mitarbeiterbefragungen im Krankenhaus scheitern

Klingt einfach, ist es auch. Dennoch erleben wir immer wieder, dass grundlegende Aspekte nicht berücksichtigt werden. Hier ein (halb-fiktives) Beispiel: Krankenhaus Rot hat seit zehn Jahren keine Mitarbeiterbefragung mehr durchgeführt. Jetzt ist es wieder so weit. Es wird ein Fragebogen mit 275 Fragen aufgesetzt – man will schließlich alle Themen abhaken. Zusätzlich gibt es 21 Freitextfelder, es soll ja nichts untergehen. Bei der Gruppeneinteilung gibt es Gruppen bestehend aus drei Personen, da sie sonst nirgendwo dazu passen. Der Erhebungszeitraum wird auf zehn Wochen festgelegt, es sollen ja alle mitmachen können. Die Fragebögen werden in der hauseigenen Druckerei gedruckt und geheftet, die Verteilung und der Start der Befragung verschieben sich dadurch um zwei Wochen. Die Fragebögen werden offen in einen hauseigenen Briefkasten eigeworfen. Die Auswertung erfolgt intern. Sie ist sechs Monate nach Befragungsende fertig – ausgenommen sind hier die Freitextfelder – dafür aber mit 290 Seiten Ergebnisbericht. Zu diesem Zeitpunkt haben selbst die engagierten Mitarbeitenden vergessen, dass die Befragung überhaupt stattgefunden hat.           

Warum Mitarbeiterbefragungen für Krankenhäuser entscheidend sind

Warum ist uns das Thema Befragung so wichtig? Wir möchten,

  • dass Mitarbeitende regelmäßig ihre Meinung zu arbeitsrelevanten Themen einbringen können. Employee Listening schafft Mitsprache, fördert Beteiligung, bringt Ideen hervor und stärkt die Mitarbeiterbindung im Krankenhaus.
  • dass sich ein kontinuierlicher Verbesserungszyklus im Krankenhaus etabliert. Relevante Themen können so datenbasiert erkannt, bearbeitet und in ihrer Wirkung bewertet werden.
  • dass demotivierende Aspekte sichtbar werden. So können gezielt Bedingungen geschaffen werden, die neben effizientem Arbeiten auch Engagement, Identifikation und Zufriedenheit fördern.
  • dass eine Kultur der Veränderung gefördert wird. In so dynamischen Zeiten braucht es Mitarbeitende, die Entwicklungen mittragen und aktiv mitgestalten. 

All das ist ein zentraler Hebel für Arbeitgeberattraktivität im Krankenhaus. 

Alternativen zur klassischen Mitarbeiterbefragung im Krankenhaus

Die Umsetzung einer Mitarbeiterbefragung ist also sehr viel mehr als das Ausfüllen und Auswerten von ein paar Fragen. Aber muss es denn immer eine umfangreiche Befragung sein? Ein klares NEIN.

Bewährte Kurzformate sind: 

  • Pulsbefragungen
  • Fokus-Interviews mit definierten Berufsgruppen, Abteilungen oder Stationen
  • Führungskräftefeedbacks
  • Change-Awareness- und Change-Readiness-Befragungen
  • Prozessbefragungen zur Etablierung von Veränderungen (z. B. Visitenzeiten, Aufnahmen oder Entlassungen)
  • Objektive Erfassung von Zeitfressern im Stationsalltag 

Fazit: Mitarbeiterbefragung im Krankenhaus richtig nutzen

Mitarbeiterbefragungen im Krankenhaus sind notwendig. Denn sie sind ein wirksames Instrument für:

  • Steuerung
  • Mitarbeiterbindung
  • Veränderung 

Vorausgesetzt, sie werden konsequent umgesetzt.

 

Wann war Ihre letzte Mitarbeiterbefragung? Möchten Sie Ihre Mitarbeiterbefragung im Krankenhaus wirksam und nachhaltig gestalten?

Wir unterstützen Sie gerne dabei – von der Konzeption bis zur Umsetzung. Sprechen Sie uns an.

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